Ob ein IoT-Gerät zuverlässig erreichbar ist, hängt nicht nur davon ab, ob ein Netz vor Ort verfügbar ist, sondern auch davon, ob sich das Gerät in das jeweils beste Netz einbuchen darf. Genau an diesem Punkt unterscheiden sich gesteuertes und ungesteuertes Roaming. Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Begriffen steht und warum die freie Netzwahl für unternehmenskritische Anwendungen den Ausschlag geben kann.
Roaming: das Grundprinzip
Verlässt eine SIM-Karte den Bereich ihres Heimnetzes, nutzt sie ein anderes Mobilfunknetz mit. Dieses wird als besuchtes Netz bezeichnet, im Gegensatz zum Heimnetz, bei dem der SIM-Vertrag geschlossen wurde. Der Vorgang heißt Roaming: Das Gerät verbindet sich über die Infrastruktur eines fremden Betreibers, während die kaufmännische Beziehung weiterhin beim Heimnetzbetreiber liegt.
Im IoT-Kontext ist Roaming nicht die Ausnahme, sondern oft der Normalfall. Viele M2M-SIM-Karten sind bewusst so ausgelegt, dass sie sich dauerhaft in fremde Netze einbuchen, um eine möglichst breite Abdeckung zu erreichen. Welches besuchte Netz dabei zum Zug kommt, ist jedoch nicht automatisch das technisch beste, sondern hängt davon ab, ob und wie der Heimnetzbetreiber die Netzwahl beeinflusst.
Gesteuertes Roaming (Steering of Roaming)
Beim gesteuerten Roaming greift der Heimnetzbetreiber aktiv in die Netzwahl ein. Über das sogenannte Steering of Roaming wird gesteuert, in welches besuchte Netz sich ein Gerät einbuchen soll — meist aus Kostengründen, weil mit bestimmten Partnernetzen günstigere Konditionen bestehen. Das Gerät wird dann bevorzugt auf diese Vorzugsnetze gelenkt.
Für den Betrieb kann das Nachteile haben:
- Das Gerät wird unter Umständen in ein bestimmtes Netz gezwungen, auch wenn es vor Ort nicht das beste ist.
- Versucht das Gerät zunächst, ein vorgegebenes, aber schwächeres Netz zu nutzen, kann sich die Einbuchung verzögern.
- In der Folge drohen eine schwächere Verbindung oder häufigere Verbindungsabbrüche, wenn das bevorzugte Netz die Abdeckung am Standort nicht zuverlässig liefert.
Solche Effekte fallen bei einer einzelnen Verbindung kaum auf, summieren sich im großflächigen IoT-Betrieb mit vielen Geräten jedoch zu einem realen Verfügbarkeitsproblem.
Ungesteuertes Roaming (non-steered)
Beim ungesteuerten Roaming (englisch non-steered) entfällt diese Lenkung. Die SIM beziehungsweise das Gerät wählt frei das stärkste und beste verfügbare Netz am jeweiligen Standort, ohne durch Vorgaben des Heimnetzbetreibers auf ein bestimmtes Vorzugsnetz festgelegt zu sein.
Der Vorteil liegt vor allem in der Stabilität und Verfügbarkeit:
- An festen Standorten kann ein Gerät nicht einfach ausweichen oder bewegt werden, um besseren Empfang zu finden. Hier zählt, dass es sich von vornherein in das stärkste erreichbare Netz einbucht.
- Bei kritischen Anwendungen ist eine durchgängige Verbindung wichtiger als die letzte Kosteneinsparung beim einzelnen Datenpaket.
- Die freie Netzwahl reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Partnernetz und damit das Risiko lokaler Versorgungslücken.
Ungesteuertes Roaming verzichtet also bewusst auf die kaufmännisch motivierte Steuerung zugunsten der technisch besten Verbindung vor Ort.
Zusammenspiel mit Multi-IMSI und Multi-Netz
Seine volle Wirkung entfaltet ungesteuertes Roaming erst in Verbindung mit einer breiten Netzauswahl. Bietet eine SIM über Multi-IMSI & Multi-Netz-Roaming Zugang zu mehreren Netzen und darf das Gerät zugleich frei unter diesen wählen, ergibt sich die robusteste Variante: viele Optionen plus freie Entscheidung für die beste davon.
Mehr Netze allein genügen nicht, wenn die Steuerung das Gerät dennoch auf ein bestimmtes Netz festlegt. Umgekehrt nützt die freie Wahl wenig, wenn am Standort nur ein einziges Netz erreichbar ist. Erst die Kombination aus großer Netzbasis und ungesteuerter Wahl sorgt dafür, dass sich ein Gerät zuverlässig dort einbucht, wo die Abdeckung tatsächlich am besten ist. Wie SIM-Profile technisch hinterlegt und gewechselt werden, erläutert ergänzend der Beitrag zu eSIM & eUICC.
Praktische Einordnung für unternehmenskritisches IoT
Für viele IoT-Szenarien ist die freie Netzwahl kein Detail, sondern eine Voraussetzung für den verlässlichen Betrieb. Beispiele:
- Smart Metering: Zähler in Kellern oder an abgelegenen Standorten sind auf das jeweils stärkste Signal angewiesen und lassen sich nicht versetzen.
- Sicherheitstechnik: Alarm- und Überwachungsanlagen müssen jederzeit melden können; eine verzögerte oder schwache Verbindung ist hier nicht hinnehmbar.
- Ladeinfrastruktur: Ladepunkte stehen fest und müssen Transaktionen und Statusmeldungen zuverlässig übertragen, auch bei wechselnder Netzlast.
In all diesen Fällen gilt: Das Gerät steht, das Netz muss kommen. Ungesteuertes Roaming stellt sicher, dass nicht eine kaufmännische Vorgabe, sondern die tatsächliche Empfangslage über die Netzwahl entscheidet.
Wenn Sie eine Konnektivität suchen, die auf Verlässlichkeit ausgelegt ist, finden Sie die Details zu Netzabdeckung und Einsatz in unserer M2M-SIM-Karte sowie zu den zugrunde liegenden Mechanismen unter Technik & Sicherheit. Wie SIM4IOT über mehrere Netze hinweg eine breite Auswahl bereitstellt, lesen Sie ergänzend im Beitrag zu Multi-IMSI & Multi-Netz-Roaming.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen gesteuertem und ungesteuertem Roaming?
Beim gesteuerten Roaming lenkt der Heimnetzbetreiber das Gerät auf bestimmte Partnernetze, oft aus Kostengründen. Beim ungesteuerten Roaming wählt das Gerät frei das beste verfügbare Netz — unabhängig von solchen Vorgaben.
Warum ist ungesteuertes Roaming für IoT vorteilhaft?
IoT-Geräte stehen oft fest und sind auf die beste Abdeckung vor Ort angewiesen. Ungesteuertes Roaming lässt sie sich ins stärkste Netz einbuchen, statt auf ein möglicherweise schwächeres Vorzugsnetz festgelegt zu sein. Das erhöht Stabilität und Verfügbarkeit.
Was bedeutet „Steering of Roaming“?
Steering of Roaming ist die Technik, mit der ein Heimnetzbetreiber die Netzwahl eines roamenden Geräts beeinflusst. Ungesteuertes Roaming verzichtet bewusst auf diese Steuerung zugunsten der freien Netzwahl.
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